Erlanger Hütte: Nachhaltiger Genuss
„Nachhaltigkeit“ ist ein schickes Schlagwort
Mit Leben erfüllt, kann es weitreichende Einflüsse auf unsere Art zu denken und zu leben ausüben. Was aber bedeutet es, eine Schutzhütte auf zweieinhalbtausend Metern Seehöhe nachhaltig, also klima- und naturschonend zu bewirtschaften? Beispielhafte Antworten gibt die Erlanger Hütte im nördlichen Geigenkamm.
Eine Hüttenbewirtschaftung im Tiroler Hochgebirge ist zunächst einmal eines: sehr mühsam. Kurz und knackig sagt das der langjährige Hüttenpächter Christian Rimml: „Zach isch‘s scho!“ Zweifellos allerdings nicht mehr ganz so zäh wie noch in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts, als die Erlanger Sektion des Deutschen Alpenvereins die gleichnamige Schutzhütte errichtete.
Der Arbeitstag hat 17 Stunden
Christian Rimml, 1979 in St. Leonhard im Pitztal geboren, ist gelernter Koch. Im Jahr 2008 tauschte er die anspruchsvolle und anstrengende Arbeit als Souschef und später Chefkoch in 4-Sterne-Häusern freiwillig und gern gegen die Herausforderung von 17-Stunden-Tagen auf der Erlanger Hütte. Nachhaltig sowie ressourcen- und damit klimaschonend zu wirtschaften, war für Christian und seine Familie schon selbstverständlich, als diese Schlagworte noch lange nicht als Gebot der Stunde für die Allgemeinheit galten.
Strom und Trinkwasser vom eigenen See
Strom und Trinkwasser liefert der Wettersee direkt neben der Hütte — „ein Dieselaggregat möchte ich nicht“, sagt Christian. „Und alles, was wir einkaufen, von Erdäpfeln bis zum Fleisch, erzeugen wir in unserer eigenen Landwirtschaft im Pitztal oder kaufen es bei umliegenden Bauern.“ Vorräte und frische Lebensmittel werden per Luftfracht geliefert. Dieses Zugeständnis an zeitgemäße technische Möglichkeiten ist logistisch notwendig, so viel Bequemlichkeit erlauben auch die strengen Tiroler Gesetze für Hubschrauberflüge. Allein zu Beginn der Saison im Juni fliegt der Helikopter bis zu 15 mal schwer beladen hinauf zum nördlichen Geigenkamm. Bergsteigerinnen und Bergsteiger, die sich die Mühe eines fünfstündigen Aufstiegs von Umhausen oder Tumpen gemacht haben, kommen schließlich mit mächtigem Hunger und Durst auf der Erlanger Hütte an.